Hilft der Blutzuckerspiegel beim Abnehmen?

Einer der Gründe, die mich zum Abnehmen brachten, war ein Arztbesuch vor 6 Jahren. Ich war beim Endokrinologen, um meine Schilddrüse untersuchen zu lassen. Diese war zum Glück gesund, aber die Ärztin riet mir nach der Schilderung meiner Ernährung (SCHOKI SCHOKI SCHOKI) dringlichst, einen Zuckertest zu machen. Sie sagte mir, wenn ich so weiter lebe, steuere ich zu 95 % auf Diabetes zu.

Den Zuckertest habe ich nie machen lassen, aber der Schocker drohende Diabetes reichte aus, um mir den letzten Kick in eine gesündere Lebensweise zu geben. So hart es auch für mich war, diese Worte zu hören, so wichtig waren sie für meine Gesundheit.

Seit jener Zeit beschäftige ich mich mit Blutzuckerwerten und wie diese auf den Körper wirken.

 

 

Was ist der Blutzuckerspiegel?

Der Blutzucker gibt an, wie viel Zucker in Form von Glucose im Blut ist. Nach dem Essen steigt der Blutzucker an, am Morgen ist er am niedrigsten. Sobald wir etwas essen, spaltet der Darm die Kohlenhydrate unserer Nahrung auf und gibt diese an unser Blut weiter. Dieses leitet den Zucker dann in unserem Körper weiter und das Hormon Insulin hilft dabei, dass der Blutzucker in die Zellen als Energielieferant aufgenommen wird. Je höher der Blutzuckerspiegel ist, desto mehr Insulin wird ausgeschüttet. Überschüssigen Zucker im Blut wandelt Insulin zu Fettreserven um, um in der Not darauf zugreifen zu können. Das machte früher Sinn, als der Mensch noch unregelmäßig Essen fand und oft tagelang hungern musste.

Der Antagonist zu Insulin ist Glucagon. Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, schüttet der Körper vermehrt Glucagon aus. So wandelt der Körper die „Notreserve“ (eingespeichertes Glykogen in der Leber) in Glukose um und hebt damit den Blutzuckerspiegel wieder an.

 

Was passiert bei einem dauerhaft hohen Blutzuckerspiegel?

Muss der Körper einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel unter Kontrolle halten (zuckerhaltige / kohlenhydratreiche Nahrung im Überschuss über einen langen Zeitraum), kann dies zu einer Insulinresistenz führen. Dabei werden die Insulinrezeptoren der Körperzellen unempfindlicher gegenüber Insulin und können den Zucker im Blut nicht mehr optimal umwandeln. Insulin denkt sich „Ach super, dann kann ich das als Fettreserve für später anlegen!“. Die Folge: Die Fettreserven des Körpers sind erhöht. Insulinresistenz wird auch als Prä-Diabetes bezeichnet und ein Nüchternzuckerwert von 100-125 mg/dl können ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

 

Was passiert bei einem zu niedrigen Blutzuckerspiegel?

Jeder von uns hatte in seinem Leben vermutlich schon einmal „Unterzucker“. Je nachdem, wie empfindlich der Körper auf Blutzuckerschwankungen reagiert, setzen bereits nach wenigen Stunden ohne Nahrung die typischen Symptome ein: Schlappheit, Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Müdigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten. Bei gesunden Menschen ist dies nicht weiter schlimm und kann durch einen vom Körper schnell abbaubaren Snack wie einem Apfel wieder ausgeglichen werden.

 

Wie hängen Blutzuckerspiegel und Diabetes zusammen?

Grob gesagt ist bei Diabetes die Aufnahme des Zuckers in die Zellen gestört, und der Zuckerspiegel im Blut ist erhöht. Deshalb müssen Diabetiker nach Mahlzeiten Insulin in den Blutkreislauf spritzen, um die Aufnahme des Zuckers in die Zellen zu verbessern.

Typ 1 Diabetes ist dabei eine Autoimmunerkrankung, die durch die Störung des Immunsystem auftritt. In 90 % der Diabeteserkrankungen liegt allerdings Typ 2 Diabetes vor. Die genauen Ursachen von Typ 2 Diabetes sind nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass es vor allem Übergewicht, schlechte Ernährung, fehlende Bewegung und Vererbung sind. Beide Arten von Diabetes sind bislang unheilbar.

 

Wie messe ich meinen Blutzucker und welche Werte sollten dabei rauskommen?

Der Blutzuckerspiegel lässt sich relativ einfach mit einem Blutzuckermessgerät ermitteln. Dieses gibt es für wenig Geld zum Beispiel bei Amazon, aber ihr könnt ihn auch beim Hausarzt messen lassen. Ich beobachte meinen Zuckerwert alle 6 Monate bei einer Routine Blutuntersuchung. Der Nüchternzucker liegt bei einem gesunden Menschen zwischen 70-100 Milligramm pro 100 Milliliter Blut (mg/dl) und sollte auch nach einer reichhaltigen Mahlzeit nicht höher als 150 mg/dl liegen. Unterzuckersymptome können bereits ab einem Zuckerwert von 70 mg/dl auftreten. Bei Diabetikern gehört das Messen des Blutzuckers und Spritzen von Insulin zum Alltag, aber auch bei gesunden Menschen schadet es nicht, ab und an die Blutzuckerwerte zu kontrollieren.

 

Wie entsteht Heißhunger?

Heißhunger ist ein Teufelskreis. Je schneller der Blutzucker sinkt, desto heftiger verlangt der Körper nach Energienachschub. Intuitiv möchte der Körper Essen, das schnell verwertbar ist und schnell Energie liefert, also Zucker und einfache Kohlenhydrate. Zudem verlieren wir mit steigendem Hungergefühl unsere Selbstbeherrschung. Wir greifen also zum Stück Schokolade oder zur Semmel um den Heißhunger zu stillen. Diese werden im Körper schnell abgebaut, der Blutzuckerspiegel steigt rasant an und fällt genau so schnell wieder ab. Schon ist der Heißhunger wieder da!

 

Weitere Faktoren für Heißhunger können sein:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Blitzdiäten
  • Frust und Trauer
  • Schwangerschaft oder Wachstumsphasen bei Teenagern

 

 

Was ist der glykämische Index bei Lebensmitteln?

Der glykämische Index ist das Maß für den Blutzuckeranstieg, die Insulinausschüttung und die Sättigungswirkung eines Lebensmittels. Den höchsten glykämischen Index (auch GLYX oder GI abgekürzt) hat Traubenzucker / Glukose mit 100. Dieses wird sofort in die Zellen aufgenommen und lässt den Blutzuckerspiegel hochschnalzen. Sättigungswirkung? Null. Ich bezeichne Lebensmittel mit hohem glykämischen Index als „leere“ Kalorien. Sie bringen keinerlei Sättigung und einen kurzfristigen Energieschub.

Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index werden entsprechend langsamer vom Körper abgebaut und die Energie gelangt stetiger in die Zellen. Der Blutzucker bleibt konstant, man ist länger satt und trifft gesündere Ernährungsentscheidungen (schon mal hungrig Einkaufen gegangen?!). Hier ein paar Beispiele für Lebensmittel mit hohem und niedrigem GI:

 

Hoher glykämischer Index

  • Traubenzucker
  • Weißbrot
  • Cornflakes
  • Kartoffelpüree
  • Popcorn
  • Milchprodukte mit Zuckerzusatz
  • Limonade
  • Pommes
  • weißer Reis
  • Bananen

Niedriger glykämischer Index

  • Erbsen
  • Brokkoli
  • rohe Karotten
  • Spinat
  • Haferflocken
  • Kidney Bohnen
  • Milchprodukte ohne Zusatz (Joghurt, Quark etc.)
  • Nüsse
  • Tofu
  • Avocado

 

Die Kontroverse: Blutzucker und Vollkornprodukte

Vollkornprodukte werden bei einer Ernährung mit niedrigem GI empfohlen, da sie langsamer abgebaut werden als Weißbrot. Grundsätzlich ist der Umstieg von Weißbrot (Baguette, Toast etc.) auf Vollkornbrot und Körnersemmeln ein guter erster Schritt in die richtige Richtung! Trotzdem raten einige Diabetiker auf lange Sicht auch von übermäßigem Vollkorn-Verzehr ab, da auch Vollkornprodukte hauptsächlich aus Kohlenhydraten bestehen und den Blutzucker beeinflussen.

Das gleiche Spiel mit Obst – der Umstieg von Schokolade auf Apfel zum Dessert ist ein toller erster Schritt, zumal ihr dadurch auch mehr Vitamine und Mineralstoffe in eure Ernährung integriert! Trotzdem enthält Obst auch Fruchtzucker und sollte nicht als Freifahrtschein zum Binge-Eating verwechselt werden. Wie immer gilt: alles in Maßen.

 

 

Das solltet ihr über den Einfluss des Blutzuckerspiegels beim Abnehmen wissen:

 

  • Kohlenhydratreiche Lebensmittel führen zu einem schnellen Anstieg und anschließenden Abfall des Blutzuckerspiegels. Daraus folgen Heißhungerattacken.
  • Um diese zu vermeiden, sollte der Blutzuckerspiegel demnach über den Tag möglichst konstant bleiben.
  • Der glykämische Index von Lebensmitteln sagt aus, wie sie auf den Blutzuckerspiegel wirken. Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index machen länger satt und halten den Blutzucker auf einem Level.

 

So setze ich dieses Wissen über den Blutzuckerspiegel im Alltag um:

  • Ich achte darauf, (vor allem morgens) keinen Zucker und „leere“ Kohlenhydrate wie Toastbrot zu essen.
  • Statt Reis, Brot und Kartoffeln esse ich Gemüse als Beilage.
  • Vor dem Sport esse ich einfach verdauliche Kohlenhydrate wie eine Banane, um schnell Energie zu gewinnen.
  • Vollkornbrot ist besser als Weißbrot und Obst besser als Süßigkeiten, aber auch nur in Maßen.

 

 

Es hilft mir tatsächlich. Seitdem ich darauf achte, meinen Blutzuckerspiegel konstant zu halten und mich hauptsächlich von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index zu ernähren, bin ich spürbar länger satt.

Erst vor ein paar Wochen habe ich ein Experiment gestartet: Bisher bestand mein Mittagessen in der Kantine typischerweise aus einer Schüssel Reis / Kartoffeln / Nudeln und Gemüsebeilagen. Das war auch alles fein, bis nachmittags um Punkt 14 Uhr mein Tiefpunkt einsetzte (Abfall des Blutzuckerspiegels) und ich fast am Schreibtisch einschlief.

Nun bin ich dazu übergegangen, mittags einen Salat mit Käse / Fisch / Tofu und Suppe oder Gemüse zu essen. Siehe da – Mein Nachmittagstief hat sich deutlich verbessert und ich bin zwei Stunden länger satt! Probiert es einfach an euch selbst aus, wie ihr auf Kohlenhydrate und Proteine reagiert, zum Beispiel mit meinem Low Carb Kaiserschmarrn zum Frühstück!

 

 

Meine Quellen zu Blutzucker, Heißhunger und dem glykämischen Index:

  • Low Carb Ernährung als Geheimtipp zum Abnehmen?
  • https://www.ugb.de/glykaemischer-index/glykaemischer-index-tabelle/
  • http://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/glykaemischer-index-was-bedeutet-das-eigentlich-_aid_11451.html
  • https://www.netdoktor.de/laborwerte/blutzuckerwerte/
  • http://www.erdbeerlounge.de/diaet/abnehmtipps/blutzuckerwerte/
  • http://www.abnehmen.net/blutzuckerspiegel/
  • http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/abnehmen/tid-6642/top-10_aid_64166.html
  • https://jumk.de/glyx/ (Tabelle GI Werte Lebensmittel)
  • http://www.vitanet.de/f/13812/alte_struktur/downloads/pdfs/Glyk%C3%A4mischer_Index_Lebensmittel_2017
  • http://www.mobilis-programm.de/M.O.B.I.L.I.S.%20-%20GLYX-Tabelle.pdf
  • http://www.fitforfun.de/abnehmen/gesund-essen/statt-pasta-co-10-sattmacher-mit-wenig-kohlenhydraten_aid_11454.html
  • https://www.apotheken-umschau.de/heisshunger

 

 

Wie sind eure Erfahrungen zum Blutzuckerspiegel beim Abnehmen?

Habt ihr euch mit Blutzucker schon einmal beschäftigt?

Welche Herausforderungen haben die Diabetiker unter euch?

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34 Comments

  • Gut recherchierter und informativer Artikel! Ich habe mich noch nie so intensiv mit diesem Thema befasst. Über Blutzucker reden die Personen nur in Zusammenhang mit süßer und ungesunder Ernährung. Dass auch einiges in Weißbrot und Reis drinsteckt ist mir nicht neu, aber als jemand, der so gut wie nie Süßigkeiten ist, denkt man sich immer „Jaja, das passt schon irgendwie“.
    Wie man von Salat und Suppe satt werden soll ist mir als Nudel- und Reisliebhaber jedoch ein Rätsel… Ehrlich gesagt ist das der Hauptgrund, wieso ich so etwas nur sehr ungerne zu Mittag esse.

    • Ein Blattsalat ohne Beilagen macht auch nicht satt. Vom Kaloriengehalt steht mein Salat mit Käse und Suppe einer Schüssel Reis mit Beilagen in nichts nach. Man darf nur nicht zu wenig essen, sondern gleiche Kalorienzahl in Eiweiß statt in Kohlenhydrate.

  • Sehr toller Post!!!
    Wenn ich abnehmen will, lasse ich verarbeitete Sachen so gut wie möglich weg, ich backe sogar dann mein Brot oder meine Semmeln selber. Das hat bisher schon immer ganz gut geklappt und ich hab Süßigkeiten auch überhaupt nicht vermisst. Im Moment möchte ich mein Gewicht halten und gönne mir schon ab und an ein Stückchen Schoki oder ähnliches. Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass ich mittags so wie du esse (Salat und Suppe), weil es mich viel länger fit hält.
    Mit Diabetes hatte ich bisher glücklicherweise keine Probleme!
    Liebe Grüße 🙂

    • Fertigprodukte habe ich auch aus meiner Ernährung verbannt, zumindest zu 95%. Die ein oder andere Schoki ist auch bei mir dabei! Wobei mir mein Quark mit heißen Früchten deutlich lieber ist, als ein Stück Schoki 🙂

  • Mein Freund ist Diabetiker und daher versuchen wir schon auf eine halbwegs gesunde Ernährung in dieser Richtung zu achten, ich denke aber da geht noch mehr, es ist super von dir Anregungen zu erhalten!
    Ich habe schon einige deiner Rezepte und Tipps verwendet. Vielen Dank dafür.

  • Sehr interessanter Artikel! Ich muß mich damit auch mehr beschäftigen, habe da so meine Probleme.
    Ich habe leider eine Histaminintoleranz, diese hat jetzt vor 2 Jahren ungefähr entschieden, dass Eiweiße auch böse sind. In Maßen ok, höher „dosiert“ ganz ganz schlimm. Ein Protein Shake zb hat mich 3 Tage lang außer Gefecht gesetzt, eine Pilzpfanne bescherte mir 2 Wochen lang Koliken. Da ich zudem auch noch freiwillig Vegetarier bin…jup, macht nicht allzu viel Spaß!
    ich schraube da auch gerad dran denn gerade gegen 17 Uhr, was bei mir auch noch der Arbeitsbeginn ist, kommt mein Tief…ich hab mir in der letzten Zeit dafür jetzt immer einen fertigen Smoothie mit zur Arbeit genommen. Auch nicht ideal aber besser als Schokolade….und es wirkt tatsächlich!
    Im übrigen kann ich das bestätigen das man mit Stress und zu wenig Schlaf vermehrte Heißhungerattacken hat. Gerade zu wenig Schlaf sind bei mir fatal!

    • Ohne Schlaf werde ich auch sehr grantig und hungrig. Logisch, denn der Körper braucht mehr Energie und versucht sie, durch Essen einzuholen!
      Mit Histaminintoleranz habe ich mich bisher nicht beschäftigt, was darfst Du denn alles (nicht) essen?

    • Früchte sind sehr schwierig, vor allem Zitrusfrüchte. Aber auch Äpfel, Erdbeeren, Melonen und Kiwis. Gemüse geht außer Bohnen, Avocados (ja da nehm ich das Risiko aber mal ganz gerne in Kauf) und alles Zwiebelartige. Schlimm wird es bei Käse (nix was länger reifen muss), Soja und allem eingelegten wie sauren Gurken etc. Dazu kommen manche Konservierungsstoffe und Farbstoffe. Also Fertiggerichte sind sehr schwierig und kommen daher nicht oft vor. Ebenso Restaurantbesuche. Und seit neuestem sind die Eiweiße halt schwierig. Zb gehen Pilze gar nicht mehr und Omeletts sind hart an der Grenze. Nach dem Protein-Shake war ich kurz bewußtlos (so kam ich dem ganzen erst auf die Spur). Kaffee geht ganz gut, Schokolade nur mit hohem Milchanteil. Manche künstlichen Süßungsmittel kann ich als Abführmittel verwenden (Xylit).
      Zur Zeit verträgt mein Körper den täglichen Smoothie sehr gut, was mich auch ein wenig wundert, dafür gehen Chilis nicht mehr…es ändert sich von Zeit zu zeit und keiner weiß genau weshalb. Es ist auch verwandt mit Neurodermitis (die ich auch von Zeit zu Zeit habe) und da vermutet man als Auslöser unter anderem ja auch das Wetter.

  • Da ich mal eine zeitlang Low Carb gemacht habe, musste ich auf den Glykämischen Index achten und kenne mich daher mit der Kategorisierung von Lebensmitteln ein wenig aus.

    Neulich habe ich aber auf YT bei einem Selbsttest gesehen, dass der Blutzucker selbst bei Xylitol total hochgegangen ist. ;-/

    Zum Glück benutze ich nur Erythrit zum Süßen, aber low carb Süßigkeiten gibts ja auch eher mit Xylitol oder auch Maltitol.

    Weil ich generell kein Freund vom Frühstück bin (da wird mir immer schlecht von) und ungern auf Kohlenhydrate zu Mittag verzichte, empfinde ich das Intermittent Fasting (16/8) für mich als perfekt! Nach dem Mittagessen bin ich dann auch nicht mehr so müde und träge.

    • Wenn das zu deinem Tagesrhythmus passt, go for it! Für mich wäre IF nichts, da ich niemals auf mein geiles Frühstück verzichten könnte 😉

  • Liebe Carina,
    vielen Dank für diesen aufwändig recherchierten Artikel. Dass Diabetes Typ 2 unheilbar ist, stimmt allerdings nicht. Auch Obst und ballaststoffreiche Vollkornprodukte sind unbedenklich! Wenn Dich das Thema interessiert, schau Dir doch mal ‚How not to die‘ von Dr. Michael Greger an oder ‚Eat to live‘ von Dr. Joel Fuhrman. Von ihm gibt es auch ein Buch über Diabetes – Titel weiß ich gerade nicht.

    Ganz liebe Grüße
    Carolin

  • Überraschend (soweit es geht) gut recherchierter Artikel 🙂
    Ich bin selber seit 3,5 Jahren (mit 27) an Typ 1 erkrankt und man wird auf einmal in diese für mich völlig neue Welt mit Blutzucker, Insulin, GI und und und reingeworfen, das ist erstmal viel 😀
    Ich achte ehrlich gesagt nicht (mehr) so wirklich bewusst auf den GI (und für das Abnehmen sowieso nicht, da ich das Gefühl habe, dass die von dir beschriebenen Mechanismen wie z.B. das Mittagstief durch meine Insulingabe ja eh beeinflusst werden…), habe aber natürlich rein für den gesundheitlichen Faktor diverse Sachen intus, wie z.B. vor meinem Frühstück (Bananengrießbrei mit Saft) das Insulin ne halbe Stunde vorher abzugeben. Wenn ich es erst während des Essens mache, schießen meine Werte halt auf über 250 und fallen dann rapide ab (was man dann je nach Schnelligkeit auch mit einem Unterzuckerungsgefühl verbunden ist, obwohl man es nicht ist).
    Interessant ist vielleicht auch für Gesunde: auch Fett und Eiweiß lassen den BZ ansteigen, wenn auch deutlich geringer und langsamer (bei mir ca 4-5h nach dem Essen).

    Bezüglich Abnehmen: mein derzeit größtes Problem sind die Unterzuckerungen, die durch zu aggressives Insulinspritzen auftreten und die ich mangels Aufmerksamkeit (Baby sei Dank) nicht rechtzeitig bemerke. Dann kann ich mich nicht beherrschen und die von dir angesprochenen und oft völlig ausreichenden 1-2 Äpfel essen, sondern greife blind nach allem Kohlenhydrathaltigem was ich finden kann und haus mir rein, bis die (vom Körper signalisierten) Gefahrensituation vorbei ist.

    Interessant, dass du dich im Rahmen deiner gesunden Ernährung so tief mit den Themen auseinandersetzt 🙂

    • Danke für deinen Kommentar! Ich finde es wahnsinnig wichtig zu verstehen, wie der Körper funktioniert. So kann man sich eine eigene Meinung zu Wunderdiäten und Abnehmtipps bilden und kritisch hinterfragen.
      Nimmt Diabetes einen großen Teil deines Alltags ein? Oder kannst du dich gut damit arrangieren?

    • Naja, er ist ja zwangsweise immer mit dabei, aber es wird ganz automatisch mehr oder weniger Alltag. Am deutlichsten wird der Unterschied vielleicht beim Essen halt oder „mal eben raus gehen“. Beim Essen ist klar, dass man nicht einfach essen kann, sondern „im Hintergrund“ laufen immer eine Menge Prozesse ab: wieviel KH hat das etwa? wie viel Fett esse ich dazu (verlangsamt, wie schnell die KH den BZ ansteigen lassen – dein GI, bzw. der „GI“ durch die Lebensmittelkombinationen)? wie hoch ist mein BZ? (also erstmal BZ messen) wie viel Insulin muss ich jetzt abgeben? Und dann kann ich essen. Das dauert ne halbe Minute, nimmt aber immer seinen Platz „auf der Festplatte“ ein. Wenn ich es „richtig“ machen will, kommt auch noch der GI-Zeitabstand hinzu, also dass ich mit dem Essen warte, bis das Insulin in dem Maße wirkt, um den BZ-Anstieg auszugleichen, aber naja…. Essen halt ;D
      Mit dem „mal eben rausgehen“: ich kann/sollte nicht einfach so ne Runde drehen, schnell zum Supermarkt etc. Auch hier muss immer nochmal kurz der BZ gecheckt werden und entsprechend Notfallkohlenhydrate mit eingepackt werden, falls der BZ zu sehr absackt und man umkippt (gerade Spaziergänge lassen z.B. meine Zuckerwerte richtig abstürzen).

      Das ist alles nix großes und schlimmes und man gewöhnt sich mit der Zeit dran, aber es ist immer was im Hintergrund, um das man sich 24/7 kümmern muss, sonst kanns das relativ schnell mit einem gewesen sein (auch wenn das dramatischer klingt, als es sich im Alltag anfühlt :D). Ich fühle mich jetzt nach ein paar Jahren natürlich noch auf eine gewisse Art und Weise behindert, aber auf keinem Fall beschwert.

    • Toll, wie positiv du damit umgehst! Wenn ich sowas lese bin ich wieder dankbar für meine Gesundheit und sehr froh, dass ich damals diesen Schocker bei der Endokrinologin bekommen habe. Vielen Dank für den Einblick in deinen Alltag!

  • Ich habe eine Zeit lang sehr viel Kraftsport gemacht und auf meine Ernährung geachtet und low carb und sehr eiweißreich gegessen.. Das ging auch einige Zeit gut, ich war ziemlich trainier. Ich muss aber sagen, dass ich irgendwann ziemlich die Kontrolle über meinen Körper verloren habe, ich habe das Gefühl, dass ich in der Zeit viel schlimmes angerichtet habe.. Ich habe Kohlenhydrate verteufelt, mein Sättigungsgefühl war irgendwie total gestört, ich habe fast schon verlernt auf meinen Körper zu hören. Als Folge hat sich auch noch eine gluten und Eier Intoleranz entwickelt. Ich habe dann angefangen alles runterzufahren und versucht, wieder auf meinen Körper zu hören. Inzwischen esse ich ziemlich viele Kohlenhydrate und muss sagen ich komme super klar, esse worauf ich Lust habe, habe keinen Heißhunger und kann eigentlich auch ziemlich viel essen ohne zuzunehmen. Ich denke jeder Mensch ist anders und reagiert auch unterschiedlich auf verschiedene Ernährungsweisen. Ich kann nur für mich sagen, dass low carb nichts für mich ist. Jeder muss denke ich herausfinden, was für ihn funktioniert. Ich finde es toll, dass du dich so intensiv mit diesen Themen beschäftigst 🙂

  • Ich habe im September Intermittent Fasting angefangen und alle Sättigungsbeilagen wie Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot (fast) aus meinem Ernährungsplan gestrichen. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so einfach fällt. Bin ja nun schon älter und kenne mich ganz gut. Aber es klappt hervorragend und ich fühle mich viel besser. Ich habe schon immer viel Gemüse und Salat gegessen, nur eben mit zu viel Sättigungsbeilage und Sosse. Jetzt vertilge ich Berge an Gemüse und Salat, vor allen Dingen Rosenkohl und co. aus dem Ofen. Meine Familie macht mit, das hilft sehr.

  • Super guter Beitrag! Ich hab selten das ganze Zusammenspiel von Zucker, Insulin, glykämischem Index etc. so simpel und direkt erklärt irgendwo gelesen.
    Großes Lob und viel Erfolg bei der Umsetzung 🙂

  • Hallo Carina

    ich bin Typ 1 Diabetikerin und lese hier fleißig mit…hatte halb erwartet das ein oder andere klassische Diabetikerklischee hier zu finden, aber du hast das echt gut recherchiert und das vernünftig zusammengefasst.
    Was für dich (und auch für die vielen anderen Mädels hier) vllt. noch ergänzend interessant ist folgendes:
    Ein Teilaspekt des Typ 2 Diabetes ist die sog. Insulinresistenz. Diese entsteht oft schon Jahre vor einem „richtigen“ Ausbruch des Typ 2.
    Wenn du eine Insulinresistenz entwickelst, schüttet dein Körper viel mehr Insulin aus, als notwendig wäre, weil die Zellen mit dem Insulin nicht mehr soviel anfangen können (vereinfacht dargestellt).
    Das überschüssige Insulin löst wiederum andere Hormonbildungsvorgänge im Körper aus. In den Nebennieren, in den Eierstöcken usw. Dies kann zB zu einem erhöhten Testosteronwert und Fruchtbarkeitsproblemen führen (Stichwort PCO-Syndrom).
    Viele Kinderwunschkliniken beginnen ihre Untersuchung mit dem Test auf Insulinresistenz und deren Behandlung.
    Diese Probleme kann man mit der von dir beschriebenen Ernährung durchaus günstig beeinflussen. Oft reicht es auch aus 10% des Körpergewichts zu verlieren um im Hormonhaushalt und der Insulinsensitivität einen positiven Effekt zu erreichen.

    Das ist alles sehr knapp dargestellt, aber ist ein wichtiger Aspekt für die Frauengesundheit.

    • TAUSEND DANK für deinen Kommentar liebe Elettra! Über Insulinresistenz hatte ich mich auch informiert, aber schlichtweg vergessen, diese noch in den Post aufzunehmen. Dank deines Kommentars brauche ich das aber gar nicht mehr. Ein SEHR wichtiger Aspekt, der sicherlich auch viele Frauen betrifft.