SCHOCK! ICH HABE ZUGENOMMEN!

Seit meinem Urlaub Ende September zeigt meine Waage drei Kilo mehr an.

Sie waren plötzlich da und gehen auch nicht mehr weg. Mein Bauch ist nicht mehr ganz so flach wie vor dem Urlaub. Aber mein Körper fühlt sich gesund an und ich habe mehr Energie. Anstatt wie im Sommer jeden Tag eine Stunde gestresst durch die Stadt zu radeln, gehe ich nach der Arbeit entspannt spazieren. Ich esse öfter, worauf ich Lust habe (teilweise sogar Brot UND Kartoffeln in EINER Mahlzeit!) und genieße mein Essen. Ich versuche, meine Ernährung und Fitness zu entkrampfen und mehr darauf zu hören, was meinem Körper gut tut.

 

Warum zum Teufel fällt es mir aber so schwer, diese verdammte Zahl auf der Waage zu akzeptieren?!

 

 

Ich habe mir vor 5 Jahren (zu Beginn meiner Ernährungsumstellung) eine Kilogramm Zahl als mein Wunschgewicht ausgesucht. Bestimmt vom BMI Idealgewicht Rechner und was ich in Zeitschriften als „Normalgewicht“ für Frauen meiner Größe aufschnappte. Jeden Samstag nach dem Aufstehen steige ich auf die Waage. Wenn sie unter meinem Wunschgewicht anzeigt bin ich glücklich. Wenn sie darüber liegt bin ich geknickt und durchleuchte die vergangene Woche nach dem Schuldigen – War ich zu wenig beim Sport? Habe ich mehr gegessen als sonst? Wie oft habe ich zur Schokolade gegriffen?

In den vergangenen 2 Jahren hatten meine Waage und ich ein gutes Verhältnis. +/- 1kg pro Woche lag in meinem imaginärem „OK-Bereich“. Bis zu besagtem Urlaub.

 

Als die Waage diese verteufelten 3 Kilo mehr anzeigte (= außerhalb des imaginärem „OK-Bereiches“), stand ich vor der Wahl:

 

  • Entweder in alte Kalorienzählpanik verfallen, mehr Sport machen bis mir schwindelig wird und das Zusatzgewicht mit zusammengebissenen Zähnen herunterquälen.
  • Oder meine Angst vor der Zahl auf der Waage überwinden, auf mein Körpergefühl hören und eine gesunde Balance finden.

 

Die Wahl zwischen den beiden Optionen sollte glasklar sein. Ist sie aber nicht. Ich predige einen intuitiven und lockeren Umgang mit Essen, aber es fällt mir selbst unglaublich schwer.

 

  • Ich WEISS, dass das die Zahl auf der Waage nichts über mich als Mensch aussagt.
  • Ich WEISS, dass es wichtiger ist, dass ich mich gut fühle und Power habe.
  • Ich WEISS, dass zig Faktoren mein Gewicht beeinflussen können und es sich meistens nur um Wassereinlagerungen handelt.
  • Ich WEISS, dass verbissenes Jagen einer Zahl mich nur unglücklich macht.

 

Aber wie mache ich Schluss mit meiner Waage?

Wie bekomme ich diese negative, verkrampfte, zahlengetriebene Denkweise über meine Ernährung und Fitness aus meinem Kopf?

 

 

Ich stelle mir zwei Fragen:

 

1 – Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn ich zunehme?

 

Dass mir meine Klamotten nicht mehr passen – aber trage ich nicht eh die gleichen Klamotten wie damals?

Dass ich unattraktiv werde – aber will ich einen Kerl, der mich nur auf meine Figur reduziert?

Dass ich aufgebe und in alte Muster falle – aber ich weiß doch, wie ich da wieder rauskomme?

 

2 – Woran wird sich die 90-jährige Carina erinnern, wenn sie auf ihr Leben zurückblickt?

 

Wird sie sich denken …

„Yeah, mit 29 Jahren habe ich XY kg gewogen, was war ich eine geile Sau!“

„Zum Glück habe ich mir damals Brot und Reis verboten, denn nichts geht über einen flachen Bauch!“

„Die Stunden, die ich mit Kalorienzählen verbracht habe, waren bestens angelegt!“

 

Oder wird sie sich an die Momente zurück erinnern, in denen ihr vor lauter Lachen Tränen über die Wangen liefen? In denen sie über ihren eigenen Schatten gesprungen ist und Abenteuer erlebt hat?

 

Was machen da 3 kg mehr oder weniger aus?

 

Denn wem will ich eigentlich etwas damit beweisen, wenn meine Waage ein bestimmtes Gewicht anzeigt? Den Menschen, die mir wirklich wichtig sind, ist es schnurzegal, wie viel ich wiege. Sie schätzen meinen Humor, meine Treue und meine Zuverlässigkeit. Bei all dem Veggie-Abs-Körperkult auf Social Media sollten wir uns immer wieder bewusst machen, WARUM wir abnehmen und uns gesund ernähren möchten.

 

Natürlich ist ein sexy Körper auf den ersten Blick ein schöner Anreiz und war auch meine erste Motivation abzunehmen. Natürlich schmachten wir nach den Körpern der Victoria’s Secret Engeln. Aber egal was ich mache, so werde ich niemals aussehen. Einem unerreichbarem Ideal hinterher zu laufen kostet nur Energie, die ich in schönere Dinge investieren kann.

 

Was ich mir für mein Leben wünsche?

  • Ein Körper ohne Schmerzen, der mich nicht einschränkt
  • Ernährung mit Genuss, die mir Energie gibt
  • Bewegung, die Spaß macht und bei der ich mich ausgeglichen und stark fühle

 

Das alles kann man nicht in Zahlen ausdrücken. Es ist ein schwammiges, nicht greifbares Gefühl und deshalb so schwer zu akzeptieren. Wo doch Kalorienrechnen und Waagen so schön klare und deutliche Zahlen produzieren. Ja, es hat mir auch geholfen beim Abnehmen. Aber auf lange Sicht möchte ich intuitiv leben und mit meinem Körper arbeiten und nicht gegen ihn.

Ich werde nicht von heute auf morgen all meine Routinen und Gewohnheiten über den Haufen werfen. Allein von meiner Kalorienzählapp wegzukommen hat Monate gedauert. Aber ich weiß, dass intuitive Ernährung und ein gutes Körpergefühl der richtige Weg sind, den ich verfolgen werde!

 

Die Moral von der Geschicht?

Hört auf euren Körper und macht Schluss mit eurer Waage.

 

Lieber ein paar Kilo mehr und ein genussvolles Leben voller Energie und ohne Zwänge, als ein kraftloser Körper und Größe XS.

 

Wie ist euer Verhältnis zur Waage?

Habt ihr einen entspannten Umgang mit Ernährung und Fitness?

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16 Comments

  • Ja, ich finde es auch sinnvoll, sich nicht auf eine Zahl auf der Waage zu versteifen. Das Gewicht schwankt sowieso, der Körper ist nunmal keine Maschine. Und auf zwei, drei Kilo mehr oder weniger kommts nun auch nicht an.
    Ich passe nur inzwischen auf, dass ich meine imaginäre Obergrenze nicht immer weiter nach oben verschiebe – das habe ich früher gemacht, aber die paar kg mehr läpperten sich irgendwann. Ich wiege mich ab und zu (mindestens einmal pro Monat sollte es für mich schon sein), damit ich nicht nach einem Jahr plötzlich 10 kg mehr drauf habe und das nicht wahrhaben will wie mit Anfang 20 (ich bin winzig, da machen wenige kg ziemlich viel aus). Allein schon aus praktischen Gründen – ich möchte ungern Hosen in 3 Größen vorrätig haben, das nimmt doch recht viel Platz im Schrank weg 😀
    Also: Ja, man sollte sein Gewicht nicht zu verbissen sehen, aber es ein bisschen im Auge behalten, finde ich 🙂

    • Das ist die Kunst, eine gesunde Balance zwischen Genuss und „Energie“ zu finden, sodass das Gewicht nicht extrem schwankt!

  • Wow Carina, das ist ein klasse Text!!! Gerade deine Fragen – das schlimmste, was passieren kann bzw. woran ich mich im Alter erinnern möchte – zeigt doch, wie unsinnig dieses Hinarbeiten und Fixieren auf eine Zahl ist. Aber ich verstehe dich voll und ganz, meine Laune ist auch automatisch besser, wenn die Waage weniger anzeigt als erwartet… als ob das etwas über mich aussagt. Danke, dass du mich mal wieder zum Nachdenken übers Wiegen / Gewicht und innere Zufriedenheit bringst!

  • Hallo Carina, eigentlich bin ich eher eine stille Mitleserin, aber dein Artikel fühlt sich an, als hättest du ihn genau für mich geschrieben ☺️ ich nehme seit letztem Jahr Juni langsam ab. Ich habe schon seit Jahren eine Ernährungsumstellung hinter mir, aber der Weg jetzt zum Abnehmen, um mich wohler zu fühlen, war echt schwer. Nicht wegen dem weniger Essen, sondern, die Kalorien nicht zu zählen und vor allem, mich nicht auf die Waage zu stellen. Es ist total verrückt, ich merke es ja an meiner Kleidung und an den Größen, dass ich abgenommen habe und habe mein erstes Hauptziel schon erreicht. Und dennoch würde ich so gerne wissen, was ich wiege. Es ist enorm anstrengend, mich nicht zu wiegen, möchte auch dieses magische Zahl sehen. Aber wenn sie da nicht steht, sondern viel mehr, als ich vermute, würde ich auch alles in Frage stellen. Schon verrückt, wie eine Zahl die Laune, die ich an diesem Tag haben würde, bestimmen würde. Also vielen Dank für deinen Beitrag, das war der Tritt in den Hintern, den ich brauchte, um auf keinen Fall auf die Waage zu gehen 😁 liebe Grüße Sarah

    • Liebe Sarah, danke für deinen Kommentar! Es ist beruhigend zu wissen, dass ich nicht allein da stehe! Ich werde auf meiner Weltreise gezwungenermaßen auf meine Waage verzichten müssen. Da freue ich mich schon 🙂

  • Yeah! Ein richtig richtig toller Post. Und so wahr! 🙂
    Ich habe dieses Jahr auch knapp 10 kg abgenommen und war regelrecht „panisch“ davor, wieder zuzunehmen. Irgendwann habe ich einfach die Waage weggestellt und – gelernt durch Ernährungsumstellung – weiterhin Sport gemacht und achtsam gegessen. Auf das, was ich Lust hatte. Und siehe da: immernoch wie vorher.
    Ich bin richtig glücklich, dass ich mit dem Thema endlich entspannt umgehen kann. Das ist die für mich wichtigste Erkenntnis. Denn wie du sagst: es gibt so viel wichtigeres!. Und nicht gerade seine hosengrösse im Alter X 😉

  • Ich bin tatsächlich jmd der täglich auf der Waage steht aber damit ganz entspannt umgehen kann. Ich finde es recht spannend wie der Vortag das Gewicht beeinflussen kann und wie zB nach einer harten Kraftsession mal ein Kilo mehr drauf ist und 2 Tage später man gefühlt 100 Kekse gegessen hat und das Gewicht wieder weg ist 😀

    Mein Wohlfühlbereich bewegt sich dabei bei +- 2kg, bei allem darüber werden meine Klamotten langsam eng und ich fühle mich unwohl. Ich zähle dann tatsächlich eine Weile Kalorien da ich weiß das das Gewicht so zuverlässig wieder runter geht und die Sache in einem Monat gegessen ist. Kam jetzt in 2 Jahren einmal vor und das ist total okay für mich.

    Meine Ernährung ist dabei weit von ideal weg aber ich versuche hier und da an Stellschrauben zu ändern um das ganze intuitiver richtig zu machen. Wenn man sich vor Augen hält wie man vor langer Zeit gestartet ist, ist man dann doch schon weit gekommen.

    Das Leben verläuft nunmal auch zyklisch und gesunde Ernährung fällt mir im Sommer zb wesentlich leichter als im Winter wo ich mich nur noch einmummeln möchte und gute deutsche Hausmannskost futtern 😀

    • Klingt nach einer gesunden Balance! Finde ich toll, wie du das machst. Jetzt im Winter werde ich sicherlich auch ein paar Kilo mehr haben, allein schon für Isolierung gegen Kälte 😀

  • Hallo Carina,
    ich bin im Frühjahr 2017 über deinen Blog gestolpert.
    Ich war unglücklich über meine Figur und mein Gewicht, aber -bis dato- irgendwie auch nicht unglücklich genug um was zu ändern.
    Mal 1 Kilo mehr, ach nicht schlimm, mal 2 Kilo mehr, ach nicht schlimm….und so wurden es irgendwann 10 Kilo mehr.
    Ich hab noch den „Bonus“ das ich nicht überall runder werde sondern ordentliche Reiterhosen bekomme, Hüftgold und kräftige Arme….am Busen nehme ich nicht zu.
    Du hast mich unglaublich motiviert abzunehmen.
    10 Kilo gingen wieder runter – nur mit Ernährungsumstellung, ohne Sport. Dafür war ich zu faul.
    Ich hab zwei Kinder und hab es noch nicht geschafft Bewegung in meinen Alltag einzubauen.
    Das wird sich ab Dezember aber ändern. 🙏🏼

    Und ich bin so „froh“ (sch… Formulierung) zu lesen das du dir über 3 Kilo Gedanken machst
    Es geht mir aktuell auch so.
    Ich habe ein paar Mal mehr gegessen…aber das die sich jetzt dauerhaft fest gesetzt haben – dafür war es zu wenig.

    Ich bin auch am grübeln wie ich verfahren soll.
    Wenn ich mich morgens wiege ist meine Laune gleich mal für den ganzen Tag versaut.

    Auch mir ist bewusst das man 3 Kilo mehr nicht auf Anhieb sieht und es gibt soviel wichtigeres im Leben.

    Aber irgendwie kann ich auch nicht entspannt damit umgehen.

    Es wird für mich gerade eine schlechte Laune Spirale. Der Anlass ist dumm und trotzdem komme ich nicht so recht raus.

    Ich hoffe ich kann es auch wieder entspannter sehen.
    Viele Grüße

    • Liebe Eva, ich höre da sehr viel Frust raus. Versuche, dich in einem positiven Licht zu sehen! Du bist Mama von zwei Kindern – Dafür hast du meine Hochachtung! Allein da sehe ich auch sehr viel Bewegungspotential. Schnapp dir doch deine Kids und gehe jeden Tag mit ihnen spazieren! Das macht Spaß und ist Bewegung.

  • Toller Artikel!
    Ich besitze gar keine Waage mehr – als ich vor 2 Jahren von zuhause ausgezogen bin, war das nichts was mir direkt eingefallen ist und bisher haben wir keine gekauft.
    Die einzige Waage, die sich in unserem Haushalt findet, ist meine Küchenwaage und sollte ich je in Versuchung kommen, mich darauf zu wiegen werde ich auch das nicht mehr haben :D.
    In diesen zwei Jahren habe ich mich zweimal gewogen, beide Male beim Arzt. Ansonsten gehe ich danach, wie gut meine Klamotten passen – fangen manche Hosen an zu spannen, kann ich mir sicher sein, die letzten Tage/Wochen etwas zu viel geschlemmt zu haben. Dann mache ich ein bisschen langsamer, versuche wieder weniger Zucker zu konsumieren und mehr Gemüse und freue mich, wenn die Hosen wieder lockerer sitzen.

    Damit kann ich viel entspannter leben, als früher, wo die Waage in greifbarer Nähe war und die Zahl mich des Öfteren in schlechte Stimmung versetzt hat. Allgemein bin ich seitdem entspannter geworden und verlasse mich mehr auf mein Körpergefühl. Und jetzt im Winter, wenns auch mal ein paar Plätzchen von Oma mehr sein dürfen, da nehme ich ein paar kg mehr gerne dafür in Kauf :).

  • Liebe Carina, ich kann nur unterstreichen, was Du schreibst. Allerdings glaube ich, dass jeder, der mal Figurprobleme hatte und dann mit einer Methode viel Erfolg, sei es die Waage, mehr Sport, Ernährung usw., irgendwo einen „Spleen“ entwickelt. Manche wiegen sich danach dauernd, andere kriegen ein schlechtes Gewissen, wenn sie weniger als üblich Sport machen (dazu gehöre ich) und andere können nicht mehr ohne Kalorienrechner und berechnen penibel jedes Gramm. Ich finde das traurig. Ich habe sämtliche Varianten schon durch und danach wurde es richtig kompliziert und ich bin heute noch sehr dankbar dafür, dass ich keine Kalorienrechnerei mehr betreibe und die Waage zwar im Bad steht, aber ich nur sehr sporadisch (ca. alle 2 Monate) drauf steige. Einfach, um zu sehen, ob meine Methode auch Erfolg hat, dass ich weiter abnehme, denn es gibt ein paar gesundheitliche Einschränkungen, die mir das Abnehmen erschweren, da brauche ich alleine deswegen die Kontrolle. Und da ich sogar mehr abgenommen habe als angenommen, ist jetzt erst mal bis in ein paar Wochen alles gut.

    Insofern würde ich sagen, dass ich ein gutes Verhältnis zur Waage habe, entspannt nicht, da würde ich lügen, aber auch nicht so, dass ich ständig drauf gehe, das frustriert nur. Allgemein habe ich gemerkt, je mehr man sich frei von Zwängen macht, umso intuitiver geht man mit Ernährung und Sport um. Ich kann aber gut nachvollziehen, wenn man das nicht schafft, denn es ging mir ja lange auch so. Ich finde Deine Einstellung sehr gut, denn lieber ein paar Kilo mehr und dafür Lebensfreude und keinerlei Zwänge sind auch meine Einstellung, die langfristig sicher besser ist! Liebe Grüße

    • Eine sehr gesunde Einstellung. Das schlechte Gewissen beim Sport habe ich auch, aber andererseits hat mir das auch meine Bewegungsroutine eingebrannt. Während des Abnehmens sind Regeln, Disziplin und Zahlen sehr hilfreich, aber sich das wieder abzutrainieren für mich sehr schwer. Naja, ich gelobe Besserung und spätestens auf meiner Reise sind meine Waage und ich tausende Kilometer voneinander getrennt!